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Kosmisches Maß und menschliche Vorstellung

Messung des Unermeßlichen

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Versuchen wir nun einmal, nachdem wir uns einige räumliche Verhältnisse verbildlicht haben, dieselbe Vorgehensweise auf zeitliche Größenordnungen anzuwenden.

Wir sehen in der unten folgenden Graphik zwei Zeitlinien. Die linke, gelb hinterlegte, umfaßt einen Zeitraum von 88.000 Jahren und beinhaltet auch das Holozän, den

jüngsten Zeitabschnitt der Erdgeschichte (roter Balken). In einem größeren Maßstab ist die rechte, weiß hinterlegte Zeitlinie gestaltet. Sie umfaßt 8,8 Millionen Jahre.

Ihr oberer Bereich (gelb) ist identisch mit der gesamten linken Zeitlinie. Wir sehen, daß das Holozän, das den kompletten Zeitabschnitt der verschriftlichten menschlichen

Geschichte überspannt, nur einen winzigen Teil allein der letzten Jahrmillionen ausmacht. Wenn wir uns gedanklich diesen Zeitraum versinnbildlichen, sehen wir ihn jedoch

keineswegs so korrekt-objektiv wie hier gezeigt. Wie schon anhand der räumlichen Gegebenheiten verdeutlicht wurde, verzerrt unser Vorstellungsvermögen Zeiträume umso

bizarrer, desto weiter sie zurückliegen. Es verkürzt frühere Zeitalter perspektivisch in geradezu exponentieller Weise, so daß in der gedanklichen Rekonstruktion sich Ritter,

Römer, Alte Ägypter, Neandertaler, Mammuts und Dinosaurier desto enger zusammenzudrängen scheinen, je weiter ihre jeweilige Existenz in der Vergangenheit angesiedelt ist.

Diese Unvorstellbarkeit sich schier endlos hinziehender Intervalle und die daraus resultierende mentale, perspektivische Gerafftheit weit zurückliegender Epochen ist übrigens

einer der Hauptgründe dafür, weshalb die Tatsache, daß sich alle Lebewesen auseinander her entwickelt haben, von vielen Menschen nicht gedacht werden kann, die mit

ihrem angeborenen menschlichen Maßstab eben die in der Erdgeschichte zur Verfügung befindliche Zeit nicht für ausreichend halten, damit sich so komplexe Organe wie

beispielsweise Augen  aus einfacheren Vorläufern entwickelt haben konnten. Da ist freilich das Konzept einer punktuellen Schöpfung viel vorstellbarer  (und subjektiv-

"menschlicher"), als es die objektiven Tatsachen der Evolution sind.  Man beachte nur einmal, wie weit man auf der nachstehenden rechten Zeitleiste nach unten

scrollen muß, um allein die vorerst letzte Abzweigung in der Stammesgeschichte zum Menschen hin zu erreichen: die vor etwa 6,5 Millionen Jahren liegende Trennung

der Linien, die    -   über viele Verästelungen und Verzweigungen   -   einerseits zur einzigen Spezies der heutigen Menschen und andererseits zu den beiden heutzutage

exisierenden Arten der Schimpansen geführt haben. Die Millionen anderer Verzweigungen, die teilweise noch viel früher liegen, konnten in dem hier gebräuchlichen

Maßstab nicht mehr dargestellt werden, weil sie zu weit zurückliegen. Wir werden sie später anhand weiterer Zeitlinien auszugsweise dukumentieren.

Fortsetzung folgt demnächst...

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